Lass dich striegeln! – Die Hallenböcke und Hallenkuh auf Weintour

Hallenbockausflug 2026

Der amtierende Hallenbock 2026, unser Eierwieb Uwe Seberger, lud die Hallenböcke und die Hallenkuh zum diesjährigen Hallenbockausflug nach Hohentengen ein.
Mit kurzer Verspätung traf der Bus am Singener Hohgarten ein, wo die muntere Reisegesellschaft bereits auf den Start wartete. Kaum waren alle an Bord, konnte Hallenbock Uwe Seeberger auch schon das Tagesprogramm verkünden.
Die erste Etappe führte allerdings noch nicht direkt nach Hohentengen. Zunächst wartete ein ganz besonderer Programmpunkt: ein „romantisches Vesper“ auf einem nicht minder romantischen LKW-Parkplatz zwischen Grimmelshofen und Fützen. Bei der für einen Hallenbockausflug nahezu obligatorischen Verpflegung mit Fleischwurst, Leberwurst, Gurken, Wein und Bier wurde eine solide Grundlage für den weiteren Tagesverlauf geschaffen.

Für unseren Busfahrer Fritz aus Ebringen schien anschließend kein Weg nach Hohentengen zu schmal und keine Kurve zu eng zu sein. So entwickelte sich bereits die Anfahrt zu einer kleinen Achterbahn der Gefühle. Über enge Straßen, durch zahlreiche Kurven und mit der einen oder anderen rasanten Abfahrt erreichte die Ausflugsschar schließlich wohlbehalten Hohentengen.

Dort wartete beim Weinfest die verdiente Belohnung. Bei den Klängen der örtlichen Blasmusik konnten sich die Hallenkuh Manu und die Hallenböcke durch die Weine des Engelhofs probieren. Und weil selbst bei den Hallenböcken nicht jeder mit Weinkultur gesegnet ist, gab’s für die Banausen natürlich auch Bier.

Ein Kellermeister, der den Wein lebt

Danach folgte das eigentliche Highlight des Ausflugs: die Führung durch die Kellerei des Engelhofs mit Kellermeister Alexander Schira. Schnell wurde klar, dass hier nicht einfach ein Pflichtprogramm abgespult wurde. Alexander erwies sich als ausgewiesener Kenner seines Fachs und gleichzeitig als hervorragender, leidenschaftlicher und äußerst unterhaltsamer Geschichtenerzähler.

So tauchte die Ausflugsschar unter anderem tief in die Geschichte des Müller-Thurgau ein – einer Rebsorte, die den Weinbau am Bodensee über Jahrzehnte geprägt hat, deren große Zeit sich aufgrund veränderter Nachfrage aber langsam dem Ende zuzuneigen scheint.
Mit beeindruckendem Fachwissen, lebendigen Erklärungen und immer wieder herrlich passenden Vergleichen schaffte es Alexander, selbst vermeintlich trockenes Weinwissen zur besten Unterhaltung werden zu lassen. Dabei ging es nicht nur darum, woher der Wein kommt und wie er gemacht wird, sondern auch darum, wohin die Reise in Zukunft geht. Besonders die Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau am Bodensee, neue beziehungsweise veränderte Rebsorten und die Frage, welche Weine hier künftig überhaupt noch angebaut werden können, eröffneten spannende neue Blickwinkel.
Für einen der vielen Aha-Momente sorgte das Thema Oechslegrade. Oder ganz einfach: Viele Oechsle machen noch lange keinen guten Wein – schmecken muss er schließlich auch! Nicht weniger unterhaltsam wurde die kleine Wissenschaft rund um den Korken. Nach allen fachlichen Erklärungen brachte Alexander das Thema wunderbar trocken auf den Punkt: „Der größte Vorteil eines Korkens: Er ist ein Naturprodukt. Und der größte Nachteil eines Korkens: Er ist ein Naturprodukt.“

Endlich Praxis!

Nach so viel geballter Theorie wurde es dann höchste Zeit für das, worauf vermutlich der eine oder andere schon sehnsüchtig gewartet hatte: die Weinprobe!
Jetzt konnte das frisch erworbene Fachwissen endlich am lebenden Objekt – oder besser gesagt im gefüllten Glas – überprüft werden. Es wurde gerochen, probiert, gefachsimpelt und selbstverständlich auch getrunken.

Auch beim Rosé räumte Alexander gleich mit einem möglichen Irrglauben auf. Der entsteht natürlich nicht dadurch, dass man einfach Weiß- und Rotwein zusammenschüttet. Die Farbe steckt vor allem in den Schalen der roten Trauben. Besonders unterhaltsam wurde es bei der Geschichte um die Weinserie „Stiegel“. Aus einer ursprünglichen Idee wurde offenbar ein solcher Erfolg, dass mittlerweile Chardonnay, Müller-Thurgau, Rosé und ein Roter unter diesem Namen angeboten werden. Und die Philosophie dahinter? Sinngemäß: Wer voller Freude diese Flasche leert, fühlt sich gestriegelt wie ein Pferd. Also: Lass dich striegeln!
Weiter ging die Probe unter anderem mit einer Cuvée aus Riesling und Cabernet aus der Stiegel-Serie, versehen mit einer kleinen, feinen Restsüße. Alexander lieferte auch dafür die passende Begründung: Es muss schließlich „nicht nur Wein zum Philosophieren geben, sondern auch Wein zum Trinken.“
Eine Philosophie, mit der sich die Hallenböcke erstaunlich schnell anfreunden konnten

Weit mehr als eine Weinprobe

Was Alexander Schira an diesem Nachmittag vermittelte, lässt sich eigentlich nur schwer in wenige Worte fassen. Es war weit mehr als eine klassische Kellerführung oder Weinprobe. Mit unglaublichem Fachwissen, Leidenschaft, Humor und der besonderen Gabe, komplizierte Zusammenhänge so zu erklären, dass man ihm einfach gerne zuhört, nahm er die Hallenböcke mit auf eine Reise durch die Welt des Weins.
Von Rebsorten, Böden und Herstellung über Korken, Oechslegrade und Geschmacksrichtungen bis hin zur Geschichte des Weinbaus und der Frage, wie der Wein am Bodensee unter veränderten klimatischen Bedingungen in Zukunft aussehen wird – immer wieder öffnete Alexander neue Blickwinkel und räumte ganz nebenbei mit so mancher vermeintlichen Weinweisheit auf. Das Bemerkenswerte dabei: Selbst diejenigen, die seit vielen Jahren gerne und durchaus nicht wenig Wein trinken und glaubten, schon einiges darüber zu wissen, gingen mit völlig neuen Erkenntnissen aus dem Keller.
Und trotzdem wurde es zu keinem Zeitpunkt trocken oder belehrend. Alexander erzählte, erklärte, verglich, provozierte auch mal ein wenig und brachte seine Zuhörer immer wieder zum Lachen.
Ein Kellermeister, der seinen Wein nicht einfach nur macht, sondern ihn lebt – und diese Begeisterung innerhalb kürzester Zeit auf seine Zuhörer überträgt.

Kulinarischer und musikalischer Ausklang

Seinen kulinarischen und musikalischen Abschluss fand dieser grandiose Ausflug schließlich im Gasthaus zum Rheintal in Reckingen. Ein familiär geführtes Gasthaus, bei dem Carmen Scheuble-Frommherz als Herzstück des Hauses dafür sorgt, dass man sich vom ersten Moment an willkommen fühlt.
Von außen vielleicht eher unscheinbar, offenbarte sich drinnen ein Gasthaus mit ganz besonderem Charme: gemütlich, herzlich, aufmerksam im Service und mit allerlei Leckereien aus der Küche. Ein echter Geheimtipp, bei dem nicht das große Drumherum zählt, sondern genau das, worauf es bei einem guten Gasthaus ankommt: Gastfreundschaft, Gemütlichkeit und guter Geschmack.

Und weil ein Hallenbockausflug natürlich nicht einfach nur mit Essen und Trinken enden kann, sorgte Hallenbock Uwe Seeberger höchstpersönlich für den musikalischen Schlusspunkt. Er packte seine Quetschkommode aus und krönte den Tag mit Liedern, Musik und bester Stimmung.

So wurde aus Uwes Ausflugsidee ein rundum gelungenes Gemeinschaftserlebnis: Fleischwurst und rasante Kurven, Blasmusik und Wein, ein sensationeller Kellermeister, gutes Essen und zum Abschluss die Quetschkommode.
Ein großes Dankeschön an unseren Hallenbock Uwe für die Organisation dieses außergewöhnlichen Tages. Mit viel Herz, Humor und einem tollen Gespür für die richtige Mischung hat er einen Hallenbockausflug auf die Beine gestellt, der bei allen Mitgereisten noch lange in bester Erinnerung bleiben wird.
Oder um es mit den Erkenntnissen dieses Tages zu sagen: Dieser Hallenbockausflug war ein richtig guter Jahrgang!

Autor: Klaus-Peter Bauer (KI-unterstützt)